Erbarmen als soziale Form

   Das Kunstprojekt der Caritas in Köln

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Felix Droese: Erbarmen als soziale Form, 2012




Felix Droese: Erbarmen als soziale Form, 2012 








Geben und Nehmen – das ist immer ein gespanntes Verhältnis. Viele Menschen sind berührt von der Not ihrer Mitmenschen und organisieren mit den besten Absichten Hilfen zur Versorgung mit dem Nötigsten. Allerorts entstehen Tafeln, Suppenküchen und Kleiderkammern. Allerdings: immer mehr Menschen müssen sich mittlerweile auf diese Existenzunterstützung verlassen, weil sie vor dem Hintergrund politischer und wirtschaftlicher Realitäten keine Möglichkeiten zur Selbstversorgung und Selbstbestimmung mehr sehen.

Caritative Aktivitäten auf Verbands- und Gemeindeebene bauen die Daseinsvorsorge immer professioneller aus. Durch diese Entwicklungen können sich die Lebensmittelindustrie und der Handel zunehmend darauf verlassen, dass nicht verkaufte und überproduzierte Waren trotzdem verwendet werden. Die öffentliche Hand sieht den armen Mann, die arme Frau und die armen Kinder ohne weiteres eigenes Engagement versorgt. Aber wie zwangsläufig und richtig ist diese Entwicklung? Trägt das Tafelwesen zur Verfestigung von Armuts-Strukturen in unserer Gesellschaft bei? Wie selig oder armselig sind das Geben und das Nehmen?

2013 treffen zwei Ereignisse zusammen: das 20-jährige Jubiläum der eingetragenen Tafelvereine und der Eucharistische Kongress in Köln. Das bietet Anlass, um über Formen des Caritativen nachzudenken. Zu solchen Diskussionen leisten bildende Künstler einen wichtigen Beitrag: Sie blicken auf dieses Geschehen und sind es gewohnt, komplizierte und oft schwer greifbare Zusammenhänge ins Bild zu setzen.
Das Projekt „Erbarmen als soziale Form“ greift diesen künstlerischen Sachverstand für die Suche und die kritische Auseinandersetzung auf. Das Spektrum der künstlerischen Ansätze erlaubt eine erweiterte Wahrnehmung. Entstehen kann daraus ein größerer Diskurs über die problematischen Beziehungen zwischen Geber und Nehmer sowie weiteren Profiteuren dieser Tauschakte.


Der Impuls kam aus den Reihen der Caritas. Das Projekt „Erbarmen als soziale Form“ hat experimentellen Charakter und ist als offene Suche angelegt. Zu Beginn werden vier künstlerische Vorhaben realisiert. Diese bringen in Form, was zur erbarmungsvollen Gabe gedacht, gesagt, vermutet und behauptet wird – und könnten durchaus auch die Beteiligten genauer ins Bild setzen.